Wohnanlage Buchhorstgarten
Demografischer Wandel: Neue Formen des altersgerechten Wohnens gesucht
Angesichts des voranschreitenden Überalterungsprozesses unserer Gesellschaft hat der Staat in den kommenden Jahren nicht mehr die Möglichkeit, sich angemessen um seine alternden Bürger zu kümmern. Dies betrifft nicht nur die Städter, sondern auch die Bevölkerung im ländlichen Raum. In Gartow waren im Jahr 2005 knapp 25 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt, 2012 werden es 31 Prozent sein.
Ein langer Weg von der Idee zur Umsetzung
Um dieser Situation zukunftsorientiert zu begegnen, hat sich vor zehn Jahren eine kleine Gruppe von 50- bis 60-Jährigen zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist, eine Form von altersgerechtem Wohnen zu verwirklichen, in der jeder Einzelne verantwortlich für sich selbst, aber auch für die Menschen in seiner Nachbarschaft sein kann. Geplant wird eine Siedlung mit 60 Wohnungen und Häusern, welche bis zum Jahr 2010 in drei Bauabschnitten entstehen soll. Bauplatz ist ein ehemaliger Schlossgarten mit 80.000 Quadratmetern Grundfläche, nur 800 Meter vom Ortskern entfernt. In unmittelbarer Nähe liegt die Flussniederung der Seege, ein See und der Gartower Forst. Bestehende Gebäude sollen in das Wohnanlagen-Konzept integriert werden. In der Zeit von 2004 bis 2006 wurde eine Konzeptstudie und eine Umsetzungsplanung mit Gesamtkosten in Höhe von 40.000 Euro erarbeitet, die zu 50 Prozent aus LEADER+ und zu 50 Prozent von der Gemeinde Gartow finanziert werden.
Während der bisherigen Planung, Abstimmung und Realisierung wirkten - neben der Planungsgruppe „altersgerechtes wohnen“ und den Fachgutachtern - die Gemeinde Gartow und potenzielle Bewohner unter anderem an der Erkundung des historischen Hintergrundes des Standorts, an der Konzepterstellung für die Energie- und Gemeinschaftsanlagen sowie an der Umsetzungsplanung des Gesamtkonzepts mit. Ziel des Projekts "Wohnanlage Buchhorstgarten" ist es, in einer landschaftlich attraktiven Umgebung eine Wohnanlage entstehen zu lassen, in der ältere Menschen gemeinschaftlich und selbstbestimmt leben, arbeiten und wohnen. Innerhalb der Siedlung sollen die Bewohner
- in selbst ausgesuchter Nachbarschaft leben,
- Verantwortung übernehmen,
- so lange wie möglich für sich und die Gemeinschaft arbeiten,
- bei Bedarf zu Hause versorgt und gepflegt werden können,
- Freizeitbeschäftigungen pflegen und am kulturellen Leben
teilnehmen.
Alltag, Freizeit, Kultur und Pflege - an alles ist gedacht
Das Konzept für das selbst organisierte Zusammenleben sieht außerdem vor, dass für die Entscheidungsfindung im Gemeinwesen ein mit allen Bewohnern erarbeitetes Statut die Basis bildet. Die Verwaltung unterstützt die Bewohner bei der Organisation von Gemeinschafts- und Kulturprojekten wie beispielsweise Carsharing, Transport-Service und Alltagshilfen. Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten nach Können und Fähigkeiten für jeden sollen vorhanden sein und Dienstleistungen der Senioren auf Tauschbasis angeboten werden. Die Gastronomie- und Pflegeangebote sind offen für alle Gartower Bürger; ebenso die vielfältigen Kulturveranstaltungen.
Eine freier Träger wird sowohl die häusliche ambulante Pflege als auch die stationäre Kranken- und Kurzzeitpflege in der Wohnanlage gewährleisten. Auch ein Hospiz und eine Demenzwohngruppe werden entstehen. Zusätzlich sind gemeinschaftliche Einrichtungen vorgesehen wie beispielsweise:
- ein Café/Bistro/Restaurant mit Terrasse zur "Grünen Mitte",
- eine Bibliothek und Veranstaltungsräume,
- ein kleiner Einkaufsladen, Büro und Verwaltung,
- ein Gästezimmer für Freunde und Verwandte.
Im Ergebnis wurde eine Studie erstellt mit einer Bestandserfassung von Natur und Landschaft mit einem landschaftspflegerisches Konzept sowie Maßnahmen zum Erhalt und zur Nutzung der bestehenden Gebäude und zum Wohnen im Alter. An die Studie schlossen sich das Erarbeiten eines Bebauungsplans mit Vorplanung sowie der Entwurf der Ausführungsplanung an. Der Bau des ersten Abschnittes mit acht Wohneinheiten wird im Jahr 2007 beginnen. Im Rahmen des Handlungsfeldes Energie (LEADER+) und eines AGENDA-21-Prozesses (Ziel-2-Förderung) ist der Anschluss des Wohngebietes an die Wärmeleitung einer Biogasanlage eingeplant. Die gesamte Einrichtung soll ausschließlich mit regenerativer Energie versorgt werden. Im Hinblick auf die demografische Entwicklung in der Region hat das Projekt Vorbildfunktion.
Nähere Informationen
Renate Ortmanns-Möller
Lokale Aktionsgruppe Elbtalaue
c/o Landkreis Lüchow-Dannenberg
Königsberger Str. 10
29439 Lüchow (Wendland)
Tel. (0 58 41) 120 - 273
E-Mail: r.ortmanns-moeller@luechow-dannenberg.de
URL: www.leaderplus-elbtalaue.de
Gebietsdaten
LAG Elbtalaue (Niedersachsen)
Fläche: 1.888 km2
Einwohnerzahl: 87.888
Bevölkerungsdichte: 46 Einwohner/km2
(Deutschland: 231 Einw./km2)
Landschaftsart: Flachland; Flusslandschaft, Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue


