Logo Kampagne

Leitfaden

Ein neu entwickelter Leitfaden bietet Ihnen Informationen und praktische Hinweise, wie Sie sich und Ihre Dorfgemeinschaft auf den Wettbewerb vorbereiten können....
mehr

 

24. Bundeswettbewerb

Auf ein Neues: Der 24. Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" 2013 ist ausgeschrieben... mehr

 

Landeswettbewerbe

Wie ist der Stand bei den Wettbewerben in den Bundesländern... mehr

  

Banzkow

Ein Erfahrungsbericht zum Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“

Banzkow – Wo liegt eigentlich Banzkow?

Mit dieser Frage haben sich sicherlich in der Vergangenheit viele Dörfer konfrontiert gesehen. Uns ging es da nicht anders. 12 km vor der Landeshauptstadt Schwerin gelegen, standen wir lange Zeit im Schatten unserer „großen Schwester“.

Banzkow ist eine über 700-jährige Gemeinde im Landkreis Parchim in der einzigartigen Landschaft der Wald- und Wiesenlewitz. Etwa 50 % der Gemeindefläche liegen im Landschaftsschutzgebiet Lewitz. Auch ein Vogelschutzgebiet nimmt große Teile der Gemeindefläche ein.

Die Gemeinde besteht aus den beiden Ortsteilen Banzkow und Mirow und hat insgesamt ca. 2.400 Einwohner. Banzkow war ursprünglich ein Sackplatzdorf, d.h. ein ovaler großer Platz, um den sich die Höfe gruppierten, und nur von einer Seite durch einen Weg zugänglich. Mittlerweile hat sich daraus ein lang gezogenes Straßendorf entwickelt. Bedeutsam für die Entwicklung der Gemeinde war der Bau des Störkanales 1701 bis 1709. Diese wasserseitige Anbindung führte zu Ansiedlungen von vielfältigem Gewerbe und Handwerk. Im 18. Jahrhundert entstanden mehrere niederdeutsche Hallenhäuser, die durch die gute Pflege und behutsamen Wiederaufbau bis heute den beiden Orten ein besonderes Flaire geben.

In den letzten 2 Jahrzehnten ist in der Gemeinde eine enorme Entwicklung passiert. Dies kam natürlich nicht von alleine. Ausgangspunkt war eine kontinuierliche, bodenständige und zukunftsorientierte Arbeit der Gemeindevertretung. Hier wurden die planerischen Grundlagen für die Entwicklung des Ortes geschaffen. Mehrere Wohngebiete entstanden, sozialer Wohnungsbau und der Neubau von altersgerechten Wohnungen wurden in Angriff genommen, eine Sporthalle und ein Sportplatz gebaut und in Abstimmung mit den Nachbargemeinden die ortsansässige Schule zur Regionalschule für den gesamten Amtsbereich ausgebaut. Auch eine große moderne Kindereinrichtung ist vorhanden und kann kaum den Bedarf an Nachfragen decken. Mit Leben erfüllt wird diese Gemeinde mit seinen zwei Ortsteilen Banzkow und Mirow aber durch ihre Bürger, die vor allen Dingen in den 8 Vereinen des Ortes für Banzkow und darüber hinaus werben.

Zur ersten Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft – Unser Dorf soll schöner werden“ musste die Gemeinde durch den Landkreis fast gedrängt werden, und über die Auswirkungen dieses Wettbewerbes konnten wir uns überhaupt keine Vorstellungen machen. Aber wenn die Banzkower sich erst einmal entschlossen haben, sich zu engagieren, dann tun sie es auch mit allen Kräften. Also gab es keine dilettantische Bewerbung, sondern ein durchaus ansprechendes Stück Papier. Und beim Zusammentragen alles Vorhandenen wurde uns auch selbst erst bewusst, wie viel in den vergangenen Jahren mit und für die Bürger geschaffen wurde.

So kam es 2004 zur ersten Teilnahme der Gemeinde Banzkow im Kreiswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft“. Die Gemeinde gewann auf Anhieb einen ersten Platz und qualifizierte sich damit für die Teilnahme am Landeswettbewerb. Hier konnte sie den Erfolgsweg zwar nicht weiter fortsetzen, aber – wie es so schön heißt – die Gemeinde hatte Blut geleckt. Zwei Jahre später beim nächsten Wettbewerb musste niemand mehr die Banzkower zur Teilnahme auffordern. Intensiv wurde vorbereitet und mit den anderen Gemeinden verglichen.
Ein Blick über den Gartenzaun hatte noch keinem geschadet. Die Banzkower machten sich auf den Weg, besuchten andere Dörfer, die im Landeswettbewerb schon Erfolge zu verzeichnen hatten und schufen u.a. damit die Grundlage für einen erneuten ersten Platz im Kreiswettbewerb 2006. Dieses Mal, so schworen sich die Banzkower, sollte aber das nicht die letzte Etappe sein. Immer mehr Bürger engagierten sich in der Vorbereitung des Landeswettbewerbes. Schwierig war nicht die schriftliche Bewerbung, sondern die punktuelle Umsetzung der Vorstellung der Gemeinde. Die Banzkower stellten sich der Herausforderung, ihr ganzes Dorf zeigen zu wollen, nicht nur die Schokoladenseiten. Sie fanden es besser, der Kommission auch die Ecken zu zeigen, wo eine weitere Entwicklung geplant ist. Die Gemeinde war sich durchaus bewusst, dass darin auch eine Gefahr bestand. Nicht nur dass sich der Gesamteindruck der Kommission über den Ort verschlechtern könnte, sondern auch in der zeitlichen Ausdehnung der Präsentation, denn gerade das war der Fehler der Gemeinde beim Landeswettbewerb 2004. Obwohl damals gut geplant, zog sich die Vorstellung der Gemeinde so in die Länge, dass nicht das gesamte Programm gezeigt werden konnte. Fairerweise musste die Kommission nach Ablauf der regulären Zeit die Besichtigung abbrechen, ohne dass die Gemeinde ihre Zukunftsvisionen vorstellen konnte. Dies sollte uns auf keinen Fall noch einmal passieren.

Für den Landeswettbewerb wurde ein neuer, etwas ungewöhnlicher Weg gegangen. Unter den Prämissen der 5 Schwerpunkte wurden 5 Gruppen zusammengestellt, die nach einer gemeinsamen Einführung sich in unterschiedliche Richtungen im Dorf bewegten. Dabei waren Vertreter der Gemeinde, die den jeweiligen Schwerpunkt intensiv vorbereitet und die Vertreter der Kommission, die ihn zu bewerten hatten. Vorteilhaft erwies sich die Verteilung der „Leitungsrolle“ auf viele Schultern. Zum einen wurde die Bürgermeisterin entlastet, die „nur“ die Einleitung und den Abschluss der Präsentation moderieren musste, und zum anderen wurde der Kommission auch deutlich, dass die Arbeit wirklich auf viele Schultern verteilt war und dass es das Ergebnis vieler fleißiger Hände und Köpfe war. Anschließend wurde die letzte halbe Stunde wieder gemeinsam verbracht.

Auf Landesebene brachte diese Vorgehensweise der Gemeinde durchaus Erfolg. Belohnt wurde ihre Präsentation mit dem 1. Platz und damit der Qualifikation für den Bundeswett-bewerb. Die Zeit zwischen der Auswertung des Landeswettbewerbes (Mai 2007) und der Einreichung der Unterlagen für den Bundeswettbewerb (Juni 2007) war relativ kurz. Unterstützung im Umfeld war nur eingeschränkt zu erhalten. Um so dankbarer waren wir für eine Einladung zum 2-tägigen Seminar nach Bad Fredeburg am 21. und 22. Juni 2007. Hier waren wir im Mekka der Bundesgolddörfer angekommen, und wir lernten eine Dimension des Wettbewerbes kennen, die uns überraschte. Wir geben es ehrlich und neidlos zu, von Nordrhein-Westfalen können sich die Mecklenburger noch eine Menge abgucken.

Beginnend auf der Stadtebene werden dort ein Großteil der Kommunen für die Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ motiviert. Damit wird ein Wettbewerb in Gang gesetzt, der seines gleichen sucht und mit dem hervorragenden Abschneiden der Kommunen im Bundeswettbewerb honoriert wurde. Mit einer Vielzahl von Ideen, Anregungen, Inspirationen und zusätzlicher Motivation fuhren wir nach Mecklenburg zurück. Sicherlich kann nicht jede Idee so umgesetzt werden, wie wir sie in den Nordrhein-Westfälischen Golddörfern erlebt haben, aber unsere Einstellung zum Wettbewerb hatte sich verändert. Mit ganz anderen Augen fuhren wir in die Gemeinde zurück und sahen Schwachstellen, die uns im Vorfeld nie aufgefallen waren. In der Kürze der verbleibenden Zeit bis zum Bundeswettbewerb konnte längst nicht alles „repariert“ und verbessert werden, aber es gab ja auch noch eine Zeit danach. Und der Slogan „Unser Dorf hat Zukunft“ bedeutet ja nicht, dass alles zur Präsentation fertig und beendet sein muss. Ein paar wesentliche Dinge aber hatten wir umgesetzt. So waren die Vertreter der Gemeinde und der Vereine für die Mitglieder der Bundeskommission mit entsprechenden Namensschildern ausgerüstet, auf denen auch der Schwerpunkt stand, zu dem die Kommissionsmitglieder ihn befragen konnten. Viele waren zur Begrüßung der Kommission gekommen, um einen repräsentativen Querschnitt des Dorfes zu vermitteln: Vertreter der Vereine, von typischen Berufsbildern, Vertreter der Schule und der Kindertagessstätte, der Kirche und der großen Unternehmen aus dem Ort. Schon im Vorfeld der Präsentation hatten wir mit den Verantwortlichen des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Mecklenburg-Vorpommern über die Art der Begehung gesprochen. Unser Vorschlag, wieder Aufteilung in einzelne Gruppen vorzunehmen, wurde nicht aufgegriffen. Alle Kommissionsmitglieder sollten alles aus dem Dorf sehen, was gezeigt werden sollte. Also ging es darum, die Wege zwischen den einzelnen Punkten so kurz wie möglich zu halten. Nach einer gemeinsamen Begrüßung und Einführung durch die Bürgermeisterin wurde die Kommission in einem Reisebus gut verteilt. Gut verteilt deswegen, damit neben jedem Kommissionsmitglied ein Bürger aus der Gemeinde saß, der akut auftretende Fragen umgehend beantworten konnte. Ein Mikrofon sorgte für die notwendige Beschallung im Bus, und frisch fröhlich, ständig zwischen Hoch- und Plattdeutsch wechselnd, moderierte eine junge Banzkowerin die Rundfahrt. Einzelne Stopps wurden eingelegt. Die Moderatoren wechselten und an ausgewählten Punkten hatte die Kommission auch Gelegenheit zum Ausstieg und kurzer Besichtigung der Örtlichkeiten. Uns war durchaus bewusst, dass wir den Zeitplan unbedingt einhalten mussten. Aber diesmal klappte alles wie am Schnürchen. Mit großer Erleichterung und banger Erwartung verabschiedeten wir die Kommission.

Wir hatten den großen Vorteil, dass zwischen der Abfahrt der Kommission und der Bekanntgabe der Ergebnisse nur ein paar Tage lagen, die das ganze Dorf und vor allen Dingen die Gemeindevertreter mit wachsender Unruhe verbrachten. Spontan entschieden wir, egal, wie am Donnerstag die „Urteilsverkündung“ erfolgt, wir laden alle Banzkower ein, abends gemeinsam zu feiern, denn das hatten sich alle verdient. Ein ganzes Dorf war in Aufregung, ein ganzes Dorf war auf den Beinen, um den Tag des Besuches der Bundeskommission vorzubereiten. Und ein ganzes Dorf konnte die Entscheidung kaum abwarten. Also, einen Grund zum Feiern gab es auf jeden Fall. Wurfsendungen an alle Haushalte mit einem großen Danke, Danke, Danke als Überschrift luden die Bewohner für Donnerstagabend ins Dorfgemeinschaftshaus „Störtal“ ein. Freibier wurde bereitgestellt und das örtliche Landwirtschaftsunternehmen sponserte eine Gallone Kartoffelschnaps.

Aber worauf würden wir anstoßen? Diese Frage stand noch unbeantwortet im Raum. Endlich kurz vor Mittag kam der erlösende Anruf aus dem Bundesministerium. Wir hatten Gold! Die Bürgermeisterin wurde ins Feuerwehrauto gesetzt und fuhr mit Tatü-Tata und Lautsprecheranlage durch das Dorf und verkündete stolz das Ergebnis. Wen wunderte es da, dass am Abend der Saal im „Störtal“ proppenvoll war und einige ganz Mutige noch in der Nacht zum Donnerstag ein neues Banzkowlied entworfen hatten. Nach einer Melodie der Prinzen erfolgte am Donnerstagabend die Uraufführung des Titels „Banzkow hat Gold“, der am Nachmittag noch kurzfristig im Studio von Antenne Mecklenburg-Vorpommern in der Nachbargemeinde Plate aufgenommen wurde. Auf der Leinwand spielte die Präsentation der Gemeinde, die der Bundeskommission zu Beginn ihres Besuches vorgespielt wurde. Ein ganzes Dorf feierte ausgelassen und freute sich über diesen Erfolg.

Emotionaler Höhepunkt des Wettbewerbes war allerdings der Tag auf der Grünen Woche im Januar 2008 in Berlin. Hierher reisten die Banzkower mit 2 Bussen, über 100 Bürgern und alle mit einem grünen T-Shirt und der Aufschrift „Banzkow – Unser Dorf hat Zukunft“. Dieser Tag wird den Teilnehmern noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Spät abends fuhren sie mit großem Enthusiasmus und viel Elan nach Hause.

Die positive Energie verbreitete und verbreitet sich auch weiter durch die Gemeinde. Sicherlich ist es sehr selten, dass eine Gemeinde in so kurzer Zeit zu so hohen Ehren in diesem Wettbewerb gekommen ist. Aber es ist auch ein Zeichen dafür, wie gut die Vorarbeit im Ort gewesen ist, wie intuitiv vieles richtig gemacht wurde, ohne dass man die Prämissen des Wettbewerbes kannte, nur im Hinblick auf die vielseitige und trotzdem naturnahe Entwicklung des Dorfes im Interesse der Einwohner und Gäste.

Die größten Chancen für die weitere Entwicklung des Ortes sehen wir nicht in großen Investitionen, sondern im Ausnutzen des positiven Schwungs und der gewachsenen Zusammenarbeit. Die Bürger haben gesehen, was sie mit gemeinsamer Kraft erreichen können. Es haben sich neue Eigenverantwortlichkeiten herausgebildet, d.h. es ist ein großer Schritt vom Ich zum Wir getan worden. In dieser Richtung wollen wir weiter arbeiten, gemeinsam mit und für unsere Bürger.
Die nächsten Aufgaben sind für uns u.a. die aktive Mitwirkung bei der Entwicklung der Region „Lewitz“, dabei zunächst die Vorbereitung des Außenstandortes „Natur – Park - Landschaften“ im Rahmen der BUGA 2009. Im Mai 2009 wollen wir uns auch mit den anderen sieben „Golddörfern“ des Wettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ zum „G8-Gipfel“ in Banzkow treffen. Davon versprechen wir uns viele Anregungen für die weitere Belebung unseres kommunalpolitischen Lebens. Nachhaltige Entwicklungen wollen wir durch unsere Teilnahme bei der Umsetzung des Tourismuskonzeptes der Region „Lewitz“ und des Konzeptes Bioenergie-Region gestalten.

Und vielleicht in nicht all zu ferner Zeit wäre eine Teilnahme der Gemeinde Banzkow am Europäischen Dorfwettbewerb durchaus vorstellbar. Aber auch so wollen wir uns weiter engagieren und die Idee des Bundeswettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ weiter verbreiten. Denn egal welchen Platz man auf welcher Wettbewerbsebene auch einnimmt, gewinnen wird auf jeden Fall das Dorf und seine Gemeinschaft.

 
 
Ansprechpartner:
 
Amt Banzkow
Schulsteig 4
19079 Banzkow
Tel.  03861 5502-12
Fax  03861 5502-55
Email: verwaltung@amt-banzkow.de
www.gemeinde-banzkow.de