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Latrop

Latrop - Der Weg zum Golddorf

Ein Kurzbericht über den Verlauf des Wettbewerbes „Unser Dorf soll schöner werden – unser Dorf hat Zukunft“ .

Verfasser: Martin Hanses


Stellen Sie sich vor: Ein stilles Tal im Rothaargebirge, NRW, knapp 100 km östlich von Köln, 90 km westlich von Kassel, also tief im Hochsauerland – ein Ort ohne Durchgangsstraße – Latrop. 450 m hoch gelegen, Ortsteil der Stadt Schmallenberg im Kreisgebiet Hochsauerlandkreis mit der Kreisstadt Meschede.
Latrop ist ein kleiner Ort mit 190 Einwohnern, 59 Häusern, davon 1 Hotel, 2 Gasthöfe, 1 Café-Pension, 3 Pensionen, ca. 30 Ferienwohnungen und ca. 40 festvermietete Zweitwohnungen.
Latrop ist ein reiner Ferienort mit 200 Gästebetten.
Hieraus erkennen Sie unschwer, dass die Hauptaufgabe darin liegt, unseren Ort interessant zu halten; für unsere Gäste und für unsere Bürger.
Latrop war früher ein Köhler- und Waldarbeiterort, der sich insbesondere ab ca. 1950 langsam aber stetig zu einem Tourismusort entwickelte. Heute hat fast jedes Haus mit Touristik zu tun und somit starb auch die kleine Landwirtschaft (vorwiegend als Nebenerwerb) nach und nach aus.

Kommen wir zum Wettbewerb.
In den 80er Jahren gab es bereits den Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. Damals bedeutete dieser Wettbewerb im weitesten Sinne eine Schönheitskonkurrenz im Bereich Blumenschmuck. Latrop gewann in der kleinen Gruppe viele Preise und wurde deshalb in die nächst höhere Kategorie eingestuft, in der die Chancen nicht mehr so rosig waren. Dies bedeutete das Aus bei der Teilnahme. 1990 kam dann ein Anruf der Stadt Schmallenberg und man bot uns die erneute Teilnahme an diesem Wettbewerb an. Nach erster Ablehnung erfolgte ein zweiter Anruf „Ihr wollt doch wohl teilnehmen?!!“ (mit der richtigen Betonung) und wir waren überzeugt. Die Bedeutung, die Richtigkeit und die Wichtigkeit sollten wir erst später erkennen. Die ersten Jahre brachten uns die Plätze 5, 4, 5 und 7 im Stadtwettbewerb. Als man uns nach dem 7. Platz im Stadtwettbewerb zu verstehen gab, dass wir im Grunde gar keine Chance hätten, hatte man die Rechnung ohne den Willen der Latroper Bewohner gemacht: „Jetzt erst recht!“

Ein einzelner Verein, anfangs war es der Verkehrsverein, konnte die Kraft eines Ortes wie Latrop nicht ballen, da die Interessen zu unterschiedlich waren. Aber in Latrop gab es noch einen Förderverein – außerdem einen gemischten Chor, einen Dorfverein, einen SGV, einen Ski-und Sportklub und einen Frauenverein. Dieser Förderverein hatte eigentlich die Aufgabe, unser bereits 1986 erstelltes Dorfhaus zu managen. In ihm arbeiteten von diesem Zeitpunkt an alle Vorstände der Vereine zusammen. Jetzt konnten wir alle Interessen des Ortes bündeln und kraftvoll einsetzen. Dies war der eigentliche Ausgangspunkt des Erfolges. Hierzu gehörte aber auch ein starker Vereinsvorsitzender – und den hatten wir in Ulrich Lutter.

Der Verkehrsverein erstellte 1997 ein Konzept zur touristischen Entwicklung des Ortes. Es war das erste in der Stadt Schmallenberg mit seinen 20 Verkehrsvereinen und 83 Ortschaften. Dieses Konzept sah die konsequente Ausrichtung des Latroper Tourismus auf das Thema Wandern vor. Mit Stolz dürfen wir behaupten, dass auch aus dieser Idee die Schmallenberger Wanderwelt hervorging.
Diesem Konzept schloss sich der Ort Latrop an. Somit war gegeben, dass es keinen Aktionismus mehr gab und alles auf die Entwicklung nach Konzept ausgerichtet war. Der Weg, an öffentliche Gelder und Zuschüsse der Stadt Schmallenberg zu kommen, war mit einem Konzept viel leichter, obwohl es auch kein Geld regnete.

Uns, den Bürgern von Latrop, war schon immer klar, dass der einfachste und schnellste Weg, etwas zu erreichen, die Selbsthilfe war. Und jetzt ging es los.
Alle Bewohner des Ortes standen hinter den Ideen. Und als die optimistischste Idee galt der Aufruf: „Bundesgold 2004“. (Wohlgemerkt: dieser Slogan wurde 1998 ausgegeben.)

Die nächsten Jahre waren geprägt durch Einladungen zu Arbeitseinsätzen. Keine Maßnahme, die von Firmen ausgeführt wurden und keine Maßnahme, an denen sich nicht alle Latroper beteiligten und sei es nur das Bekochen der Helfer zur wohlverdienten Mittagsrast.
„Gnadenlos“ wurde ein Projekt nach dem anderen durchgezogen:

  • Errichtung eines Sportheimes am Sportplatz
  • Abriss des Wassertretbeckens und Neubau eines Fußerlebnisbeckens
  • Erweiterung des Spielplatzes
  • Anlage eines Wanderweges mit Hacke und Schüppe
  • Bau des Wanderweges rund um Latrop
  • Erneuerung der Schutzhütten rund um Latrop
  • Planung neuer Wanderwegeauszeichungen
  • Pflanzung von ortstypischen Pflanzen und Gehölzen
  • Pflanzung einer Allee zur Verkehrsberuhigung im Ortseingangsbereich
  • Errichtung des neuen Dorfgartens
  • Renovierung der alten Mühle
  • Neubau des Wasserrades der alten Mühle nach alten Plänen
  • Einrichtung des Waldarbeitermuseums in der alten Mühle
  • Neugestaltung der Außenanlage rund um der alten Mühle
  • Neugestaltung der Außenanlage Dorfeingang
  • Neugestaltung der Außenanlage rund ums Dorfhaus
  • Renovierung des Dorfhauses (Innenbereich)
  • Neugestaltung des ortseigenen Friedhofes


(…und bitte halten Sie sich immer vor Augen, dass alle Anlagen auch von uns gepflegt werden müssen!!)

Eine große Aufgabe hatten wir von Beginn an in „fremde“ Hände gegeben – die Aufgabe der Planung der Außenanlagen. Diese Aufgabe übergaben wir der Landschaftdesignerin Ingelore Flügge. Es gäbe noch viele Namen zu nennen, denen wir Danke sagen: wie zum Beispiel den Mitarbeitern der Stadt Schmallenberg und Herrn Dr. Lutz Wetzlar, dem damaligen Leiter der Landesbewertungskommission.

Jeder einzelne hat in diesen Jahren geholfen, den Wohnwert von Latrop zu verbessern, ja sogar zu gestalten. Dies erfüllt jeden mit Stolz. Und jetzt kommen wir noch mal zu der Erkenntnis der Bedeutung dieses Wettbewerbes.
Dieser Wettbewerb schafft in Orten eine Wertschöpfung, die es ohne dieses enorme Engagement der Bewohner nicht gäbe. Soviel für einen einzelnen Ort zu tun ist schwerlich eine Stadt im Stande. Und wir können sagen: „das haben wir gemacht“. Die anschließende Pflege der Anlagen ist ebenfalls viel einfacher, weil die Sachen uns gehören.
Zusammenhalt, gemeinsam entwickeln, gemeinsam erschaffen, gemeinsam Probleme lösen, gemeinsam stolz sein, alles Sachen, die sich aus diesem Wettbewerb ergeben.
Um unser Ziel „Bundesgolddorf 2004“ zu erreichen, war es erforderlich, nicht nur die Aufgaben des Konzeptes zu erfüllen und zu erledigen, sondern jeder Einzelne musste auch den gewissen Glanz im Auge haben, den Willen haben, dieses Ziel zu erreichen. Und der war da.

Wer nun denkt, alles wäre relativ einfach gewesen, nun, wir durften auch unzählige Male am Stadtwettbewerb, dreimal am Kreiswettbewerb und zweimal am Landeswettbewerb teilnehmen, bevor wir zum Bundeswettbewerb zugelassen wurden. Hier musste die Motivation greifen und passen; immer das Ziel vor Augen: „Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin!“

Der Bundeswettbewerb.
Nach dem Sieg beim Landeswettbewerb 2003 hatten wir ebenfalls die Zulassung zum Bundeswettbewerb 2004 errungen. Dem Ziel waren wir um einiges näher gerückt. Jetzt durfte nichts mehr schief gehen. Die Hauptaufgabe war nun die sorgfältige Planung der Darstellung und Darstellungsweise des Ortes bei der Jury-Begehung. In den vergangenen Jahren konnten wir ja bereits genügend üben. Wir „übten“ auch bei der Stadtbegehung und verfeinerten von Mal zu Mal unsere Planung. In jede Jury-Bereisung legten wir soviel Wert, als sei es der Besuch der Bundeskommission.

  • Die Themen der Vorträge stimmten wir auf den Bewertungskatalog ab.
  • Jeder Vortrag wurde von einer anderen Person übernommen.
  • Die Vorträge wurden hinsichtlich des Inhaltes aufeinander abgestimmt. An jeder Stelle für einen Vortrag gab es eine Lautsprecheranlage.
  • Die Dauer der Bereisung wurde minutiös geplant.
  • Es wurde ein Gutwetterplan und ein Schlechtwetterplan ausgearbeitet.
  • In vielen Sitzungen wurden die einzelnen Aufgaben verteilt.
  • Informationsbroschüren wurden für die Bewertungskommission erstellt.
  • Latroper Bürger und Politiker der Stadt und des Kreises wurden zur Begehung durch die Kommission eingeladen.
  • Jedes Jurymitglied bekam einen „ständigen Begleiter“ mit Fachkenntnissen des betreffenden Themas.


Und dann kam die Bundesjury.
Und alles klappte auf die Minute.

Die Einhaltung des Zeitplans ist ungemein wichtig. Um jedem Ort die gleiche Chance geben zu können, verabschiedete sich die Jury auf die Minute pünktlich. Alles, was bis hierhin nicht erklärt wurde, alles was bis hierhin nicht gezeigt wurde, war vorbei.
Vielleicht konnte ein Optimist zwischen den Zeilen einiger Kommentare der Jury eine Richtung erkennen – vielleicht auch nicht. Die Ungewissheit blieb.
Dank unseres Optimismus hatten wir für den Termin der Bekanntgabe der Ergebnisse schon so einiges organisiert. Selbstverständlich alles in zwei Farben - in Silber und in Gold -. Andere Farben gab es gar nicht.
Um ca. 9.00 Uhr dann der Anruf – wir hatten Gold! Die Kirchenglocken läuteten, das Bier wurde in unseren Dorfgarten geschafft, der Bürgermeister durfte das Fass anstechen, die Fahnen wurden gehisst und nach ein paar Stunden ging dieser Fassanstich über in ein ausgereiftes ordentliches Dorffest in unserem Dorfhaus mit über 300 eingeladenen Personen und Dorfbewohnern. Ein traumhaftes Fest – und jeder war stolz.

Diese Goldplakette war die Anerkennung vieler Jahre harter Arbeit, ganz toller Zusammenarbeit, traumhaftem Zusammenhalts und des Bewusstseins, dass man irrsinnig viel erreichen kann.
Diese Goldplakette ist auch Ansporn für die Nachhaltigkeit der Vorhaben und Beweis für die Fähigkeit der jetzigen Generation.

Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Auszeichnung liegt einmal in der touristischen Bedeutung in diesem Falle in der erlangten Werbung. Allerdings muss man auch sehen, dass diese Auszeichnung auch ein großes Maß an zukünftiger Verantwortung dem Ort gegenüber bringt.

Wir wollen dieser Verantwortung Rechnung tragen, indem wir nicht stehen bleiben, sondern uns immer neue Gedanken machen über den Weg der Zukunft. Und wir sind sicher, dass wir auch der folgenden Generation soviel mitgeben konnten und können, dass diese in unsere hoffentlich richtig gelegten Fußstapfen treten werden.

 
 
Ansprechpartner:
 
Martin Hanses (Ortsvorsteher)
Hotel Hanses-Bräutigam
Latrop 27
57392 Schmallenberg - Latrop
Tel.: +49 - 2972 - 9900
Fax: +49 - 2972 - 9900222
Email: info@hotel-hanses.de
www.latrop.de